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Berichterstattung rund um Solingen 24h live
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Jun

Qualität wird großgeschrieben

Solinger Tageblatt vom Montag, 25. Juni 2012, von Jutta Schreiber-Lenz

„24 STUNDEN“
Die 5. Auflage zog mit einem bunten Programm viele Interessierte an. Veranstalter: die Wirtschaftsjunioren, die Stadt Solingen und die Wirtschaftsförderung

Es lohnte auch bei der 5. Auflage: Etliche Solinger haben bei „24 Stunden live“ die Chance genutzt, „ihrer“ Wirtschaft einmal mehr „in die Kochtöpfe“ zu schauen. 44 Teilnehmer: Produktionsunternehmen, Künstler, Tanzschulen, Museen – sie alle hatten ihre Tür weit aufgemacht, um Interessierten Einblick in ihren Arbeitsalltag zu gewähren.

Und der war überall spannend. Laut ist es in den Werkhallen der Messer-Manufaktur Böker an der Schützenstraße, besonders in der Schleiferei. „Je nach Verwendungszweck werden die Klingen anders geschliffen“, erläutert Konstrukteur Rainer Klein. „Ein Jagdmesser hat robustere Aufgaben als eines, das man in der Küche verwendet.“ Im 17. Jahrhundert wurde die als kleine Handwerkzeugfabrik gegründete Firma auf ihrem Grundstück von einer riesigen Kastanie überschattet – als Logo prangt sie heute auf allen Produkten des Unternehmens, das inzwischen bewusst so gut wie ausschließlich im Hochpreissektor produziert. „Masse können die in Asien besser“, sagt Rainer Klein dazu lakonisch. „Wir sind in einer Marktnische, stellen viel beispielsweise für passionierte Sammler her – da ist es selbstverständlich, dass wir keine Griffe aus Plastik auf unsere Messer aufbringen, sondern edle Hölzer einsetzen.“

Auch bei der Manufaktur Güde verfolgt man diesen Weg – ebenso erfolgreich. Höchste Qualität in kleinen Stückzahlen; jedes Teil wird dabei noch mehrfach einzeln in die Hand genommen. Das Ergebnis sind Messer in „zeitloser, funktionsorientierter Formgebung“, wie Geschäftsführer Dr. Karl Peter Born es ausdrückt. Mehrere kleinere Schleifplätze sind besetzt in der überschaubaren Halle am Katternberg.

Nahtlos reiht sich Norbert Weber mit seinem Küchenstudio in die Reihe derer ein, die auf Qualität statt auf preiswerte Massenware setzen. Er geht auf individuelle Kundenwünsche ein, passt Schränke in die kompliziertesten Raumverhältnisse ein und entwickelt spezielle Ideen. In der Tischlerei neben der Küchen-Ausstellung können Frühstücksbrettchen gebastelt werden. Fertig gesägt ist das Teil von Nils (8) schon, jetzt kommt der Schwingschleifer zum Zuge. „ Es ist wichtig, dass Kinder ein Gefühl für den Wert des Herstellungsprozesses bekommen“, sagt Norbert Weber. „Nur so können sie Qualität schätzen lernen und billig Zurechtgepfuschtes erkennen.“

„Ich bin die fesche Lola“ – Marionetten begeisterten im Atelier

Selbst gemacht von A bis Z sind auch die Marionetten von Karin und Manfred Nielke. Ihre „Bühne am Fädchen“ bevölkert eine Nische im großen Atelier von Güterhallen-Künstler Peter Amann, der sich für „24 Stunden live“ Gäste eingeladen hat. „Ich bin die fesche Lola . . .“ – kratzig und rauchig knarrt der alte Schlager aus der „Musikdose“. Und leicht verrucht und kess dreht sich die Puppe mit den langen roten Haaren, der Zigarettenspitze zwischen den Fingern und dem imposanten „Vorbau“ – sogar mit dem Po wackelt sie verführerisch. Ihr kleiner „Kollege“, das „Traumfresserchen“, ein hinreißendes Geschöpf in Blau und Violett, hat andere Jagdgründe als die offensichtlichen von Lola: „Es fängt die bösen Träume weg, damit die Kinder ruhig schlafen“, erzählt Manfred Nielke – und präsentiert als Beispiele ein gruseliges Knochen-Gespenst und ein schrumpeliges Monster.

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Fotos: © by Daniela Tobias, 2012 (VÖ mit freundlicher Genehmigung des Solinger Tageblatts)

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